Re: testudo kleinmanni


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von Rolf geschrieben am 29. Dezember 1999, 16:05

Als Kommentar zu: Re: testudo kleinmanni von Torsten vom 28. Dezember 1999, 21:20

Zu Furculachelys:
Ich habe die Art nie gehalten, weiß aber daß sie deutlich größer als T. kleinmanni, Pyxis spec. und viele Arten Homopus wird.
Was die Haltbarkeit angeht:
Auch Furcalachelys ist in Deutschland nicht fürs Freiland geeignet.
Zum Thema :"Artgerecht"
Dieses Wort sollte endlich aus unserem Sprachschatz verschwinden. Es gibt einfach keine "Artgerechte" Haltung ; die kriegt nicht mal Mutter Natur hin.
Oder ist es etwa "Artgerecht" wenn Schildkröten auf Grund ausbleibenden Regens verdursten, durch Parasiten geschädigt werden, nach Kletterpartien auf dem Rücken landen und in der Sonne verdörren, oder einfach ganz "artgerecht" von Feinden gefressen werden?

Zwei Punkte sind bei der Haltung von Tieren zu beachten:

1.)Jede Art ist auf Grund ihrer genetischen Ausstattung in der Lage sich verschiedenen Umweltbedingungen anzupassen.
Diese Anpassungsfähigkeit ist mehr oder weniger ausgebildet. Alles was wir tun können ist den Tieren eine Umwelt zu bieten, die möglichst im Zentrum dieser vorgegebnen Anpassung liegt. Je weiter wir die Tiere in die Randbereiche ihrer Möglichkeiten sich anzupassen zwingen, desto mehr Ausfälle (sprich TOTE) werden wir zu erwarten haben.

2.)Die Tiere müssen in der Lage sein möglichst viele ihrer Lebensäußerungen zu zeigen.
D.h.:Sie müssen die Lebensbedingungen vorfinden, die es ihnen erlauben zu Stoffwechseln. Also art- und altersspezifische Temperaturen (auch die entsprechende Nachtabsenkung, ausreichendes Licht, die artentsprechende Nahrung sowie Wasser zum Drinken und für die nötige Umgebungsfeuchtigkeit.
Der Platz muß ausreichen um dem Tier eine naturgemäße Bewegung zu ermöglichen (Ganz schwierig zu definieren). Eine gute Faustregel sind die Haltungsrichtlinien der DGHT. Wohlbemerkt nur eine Faustregel. T. kleinmanni, die den ganzen Tag läuft, braucht deutlich mehr Platz als z. B. Pyxis, die viel ruhiger ist.

Ob der dritte Punkt für die "Gute Terrarien Haltung" (GTH) bei Schildkröten unbedingt nötig ist, bleibt diskutierbar:

Die Interaktion mit Artgenossen. Schildkröten und auch andere Reptilien reagieren aufeinander. In der Natur sind sie jedoch meist Einzelgänger. D.h. ein männliches Tier wird (in der Paarungszeit) ein Weibchen suchen und andere Männer vertreiben. Ist die Paarungszeit vorbei, das Tier zu jung oder unfruchtbar wird es in den meisten Fällen von anderen Tieren kaum eine Notiz nehmen. Das gleich gilt für nicht stimulierte Tiere. Tiere also, die nicht durch einsprechende Foto-, Themperatur- oder Feuchtigkeitsstimulation zur sexuellen Aktivität gebracht wurden.
Die Frage ist also: Leidet ein Tier wenn es nicht sexuell aktiviert wird? Wenn man z. B. Pyxis das ganze Jahr füttert, warm hält und Wasser anbietet wird das Tier fressen, sich bewegen und wachsen -- jedoch wird es sich nicht fortpflanzen. Aber leidet es darunter???
Ich glaube zwar nein bin jedoch der Ansicht, daß zu einer GTH auch die Zucht gehört.

Wenn wir diese Kriterien anlegen ist gegen die Haltung von tropischen, kleinen Arten Nichts zu sagen.
In vielen Fällen wären sie sogar die eindeutig bessere Alternative zu den oft propagandierten Europäern.


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