von MarkusA geschrieben am 04. Januar 2003, 12:23:
Als Kommentar zu: Re: Biotopaufnahmen auf der griechischen Insel Kos von AnnemarieW vom 02. Januar 2003, 08:37
Hi Annemarie,
soweit ich weiß wurde Testudo marginata seit der Antike (vielleicht noch früher?) im im Mittelmeerraum verschleppt, so z.B. nach Sardinien und in die Toskana/Italien. Ich glaube das sie sowieso küstennahe Inseln Griechenlands natürlich besiedelt und auf vielen auch ausgesetzt wurde. Es wurden sogar schon ausgesetzte marginatas in der Westtürkei bei Ephesus gefunden. Ähnlich könnte es auch bei Testudo ibera sein, auf manchen Inseln gibt es wohl nur sehr wenige bekannte Individuen, da ist die Frage: ausgesetzt oder bereits durch menschl. Aktivität ausgerottet?
Zu den Mauren: Nach Literaturstudium sowie Konsultationen mit Wissenschaftlern hab ich bisher folgendes herausbekommen: in der Türkei gibt es eine ungewöhnlich große Anzahl an Testudo verschiedener Art, da ist die Frage (die nach versch. Auffassungen der Evolution und Genetik geklärt werden muß): wie stark muß sich eine Population von den benachbarten unterscheiden, um als eigene Unterart oder Art anerkannt zu werden.
Kurze Auflistung bisher mir bekannter Arten und Formen (unbeschr. Unterarten und geograph. Varianten): T. (graeca) ibera westl. Zentraltürkei, Testudo (graeca) anamurensis Südlich des Taurus um Anamur, Testudo (graeca) antakyensis aus der Gegend von Hatay, Testudo (graeca) terrestris Südosttürkei und Syrien, Testudo armeniaca Araxtal an der Grenze zu Armenien,
Formen: mind. 2 verschiedene kleinwüchsige Schildkröten aus der Südtürkei um Adana (info von Dr. Pärälä), eine eigenständ. bisher unbeschr. Unterart aus der Osttürkei (info Dr. Pieh), wahrsch. eine Form in der zentralen Osttürkei.
zu armeniaca: dieses Taxon ist sehr verschieden von den ibera, daher eine eigene Art, im Kaukasus kommen ja auch mehrer "Formen" von Testudo Ibera vor, deren Status bisher nicht untersucht worden ist, und die sehen den iberas aus Bulgarien und Westtürkei mehr ähnlich als den Osttürk. Tieren.
Die sogenannte Testudo graeca wird in nächster Zeit in immer mehr verschiedene Arten und Unterarten zerfallen, da die Untersuchungsmethoden und die Zugänglichkeit der Heimatbiotope immer besser werden. Beispiele: Kaukasus, Iran, Libanon, Syrien und auch Nordafrika.
Ich hoffe ich habe dir nicht zuviel Informationen zugemutet, aber ich selbst finde das Thema Testudo graeca äußerst spannend und wenn du an mehr Infos und Literatur interessiert bist mail mir einfach: emys@gmx.de
MfG Markus